Samstag, 20. Dezember 2008

Der Wächter der Pflanzen



Quelle: pixelio.de (by "geralt") www.lunaria.at


Der Wächter der Pflanzen

Die Familie befindet sich im Dachgarten des Hauses.
Papa: Was siehst du denn?
Marcos: Zwischen den Pflanzen bewegt sich was. Es sieht aus
wie ein großer Wassertropfen, grün, durchsichtig mit großen
Augen. Es schwebt über den Pflanzen. Erst war ich
erstaunt... Uiiiii! Jetzt ist es weg! Ich werde es zeichnen, so
vergesse ich es nicht.
Mama: Was ist denn das, was du gesehen hast?
Marcos: Es ist der Schutzengel der Pflanzen. Er kommt wie
ein Geist und verschwindet wieder. Die Menschen haben auch
einen Schutzengel, jeder einen für sich, aber die Pflanzen
brauchen das nicht; sie haben einen Wächter, der überall her-
umgeistert. Der Wächter unserer Pflanzen heißt Zul. Er küm-
mert sich auch um die Pflanzen unten im Haus, um die Pflan-
zen in den Blumentöpfen. Er erscheint überall im Hause, wo
es Pflanzen gibt, aber man kann ihn nicht im Spiegel sehen.
Marcos, 7 Jahre


So wird eine Stadt erbaut.
Gespielt von Marcos, 10 Jahre, und Flavio, 7 Jahre.


Das Spiel des Schicksals
Als ich acht Jahre alt war und mein Bruder fünf, machten wir
eine lange Autoreise. Ich langweilte mich und erzählte Flavio
eine Geschichte. Als ich damit zu Ende war, fragte mich mein
Bruder, was passiert wäre, wenn die Hauptperson die Wahl
gehabt hätte, anders zu handeln, etwas anderes zu tun. Ich ging
darauf ein und erzählte ihm, was dann alles hätte geschehen
können, und wir bauten die ganze Geschichte aufgrund der geän-
derten Entscheidung um. Seit diesem Zeitpunkt erfanden wir
viele Geschichten, in denen der eine der Erzähler ist und der
andere die Hauptperson. Es machte uns so viel Spaß, daß wir
das Ganze immer weiter ausbauten und Regeln und Spitzfindig-
keiten erfanden. Manchmal dauerten die Geschichten über
Monate oder Jahre hinweg, immer mit derselben Hauptfigur.
Manche Spielgeschichten befassen sich noch mit dessen Nach-
kommen und schließen Jahrhunderte der Spielzeit ein.
Als wir den Turm des Universums zeichneten, kam uns die-
ses System sehr zugute, um die verschiedenen Ebenen und
Dimensionen handhaben zu können.
Der Erzähler stellt das Schicksal dar, ein Aspekt Gottes. Er
gibt der Hauptfigur die Form und alles, was dazu gehört.
Die Hauptfigur wählt die Umstände und den Zeitpunkt ihres
Auftretens. Wenn sich die Figur in unserer oder einer bekannten
historischen Zeit aufhält, muß sie die wirklichen Gegebenheiten
berücksichtigen, kann sie aber trotzdem durch ihr Handeln
beeinflussen. Wenn das Spiel in der nahen Zukunft stattfindet,
müssen die Wahrscheinlichkeiten respektiert werden. In ande-
ren Ebenen und Dimensionen schildert der Erzähler die näheren
Umstände des Raum-Zeit-Geschehens.
Das ganze Spiel beruht auf dem Grundsatz der Gleichzeitigkeit;
wie deutlich die Figur herausgearbeitet wird, hängt von der Auf-
merksamkeit ab. Wir verwenden Würfel oder Karten, um die Eigen-
schaften der Hauptfigur und seiner Handlungen zu bestimmen.
Der Erzähler darf während des ganzen Spiels nicht ausge-
wechselt werden, wohl aber sind mehrere Spieler zur gleichen
Zeit erlaubt. Der Spieler hat Gewalt über seine Entscheidungen,
aber der Erzähler bestimmt die Umstände.
Spielregeln:
1. Zuerst werden Dimension, Ebene, Zeit und Raum bestimmt.
2. Dann wird festgelegt, wer die Hauptfigur ist und in welchen
Umständen sie sich zu Beginn der Geschichte befindet.
3. Mit Hilfe von Würfeln oder Karten werden die Eigenschaften
des Spielers festgelegt, immer nach dem Grundsatz der
Gleichzeitigkeit!
4. Das Spiel beginnt in einem Augenblick, in dem die Hauptfi-
gur eine Entscheidung trifft.
5. Das Spiel kann mit dem Tode der Hauptfigur enden, erlaubt aber
auch die Möglichkeit, weitere Inkarnationen zu durchlaufen.
Marcos, 13 Jahre


Karma - eine Geschichte
Ich drehe mich um und sehe ein Licht. Es ist weiß und sehr stark,
und es ist nicht Verlangen oder Neugier, was mich zu ihm hintreibt,
sondern seine unwiderstehliche Anziehungskraft, die weit über die
Gesetze der Schwerkraft hinausgeht. Es ist so, wie wenn man sehr
schnell durch einen Tunnel fährt. Langsam wird es größer. Ich laufe
auf das Licht zu. Nein, so ist es nicht. Ich fühle meinen Körper gar
nicht mehr, sondern nur dieses Licht, von dem ich ein Teil bin. Ich
schaue hinter mich. Da sehe ich ein orangefarbenes Licht, das mich
mit einer Welle von Energie überflutet. Ich habe keine Zweifel
mehr. Jetzt sehe ich unser Haus. Ich kann durch die Wände hin-
durchsehen. Ich erblicke meinen Körper, der ausgestreckt im Bett
liegt. Ein Arzt ist bei meiner Mutter und sagt ihr, daß nichts mehr
zu machen sei, daß ich im Schlaf wegen einer undichten Gasleitung
im Zimmer gestorben sei. Meine Mutter weint, mein Vater tröstet
sie, aber er weint auch. Ich möchte den beiden sagen, daß es mir
gutgeht, ja daß es mir nie besser gegangen ist.
Ich sehe einen tunnelartigen Aufzug, der sich auf meinen Kör-
per richtet, aber ein Drittel von ihm ist blockiert. Ein unüber-
schreitbarer Graben trennt mich von unserem Haus, und es besteht
sogar die Gefahr, an diesem Streifen hängenzubleiben.
Jetzt erinnere ich mich, daß am Tag vor meinem Tode unser
Gasofen explodierte. Dann kam ein Klempner, aber er machte seine
Arbeit schlecht.
Ich erinnere mich an ein Gesicht. Ein Gesicht, das mir in meinem
Leben sonst nichts bedeutet hätte. Alles paßt zusammen wie bei
einem Puzzle. Ich habe diesen Mann schon einmal gesehen. Es war
ein zum Tode Verurteilter. Er war dazu verurteilt, in der Gaskammer
zu sterben. Ich war der Richter, der das Urteil gefällt hatte, obwohl
ich von seiner Schuld nicht überzeugt war. Aber die Geschworenen
hatten einen unerträglichen Druck auf mich ausgeübt!
Ich sehe ihn atmen, sehe, wie er seinen letzten Atemzug tut und
dann versucht, nicht mehr zu atmen, bis es schließlich nicht mehr
geht und er die tödliche Dosis in sich aufnimmt. Ich sehe ganz klar
vor mir, wie die Tablette in die Säure fällt, sich auflöst und dadurch
das tödliche Gas erzeugt.
Dazu kehren wir ins Leben zurück: Wir müssen lernen, das
Gesetz von Ursache und Wirkung zu verlassen. Um es irgendwann
einmal, nicht nur durch den Tod, endgültig zu zerbrechen!
Marcos, 13 Jahre

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