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Das Haus Gottes
(Meine Mutter erzählt)
Ich bin dabei, Marcos zu baden. Er bittet darum, noch "fünf
Minuten" im Wasser bleiben zu dürfen. Ich erkläre ihm "fünf
Minuten" seien nicht sehr lange und er müsse dann bald aus
dem Wasser heraus. Ich erzähle ihm auch, daß ich, als ich so
klein war wie er, manchmal meiner Mutter gesagt habe, ich gehe
"nur fünf Minuten" in das Haus meiner Freundin. Dann ging ich
und blieb viel länger dort. Ich hatte keine Vorstellungen davon,
daß fünf Minuten nicht sehr lange dauern.
Während ich ihm das erzähle, denke ich an meine Freundin,
die damals bald darauf an einer Nierenkrankheit starb. Meine
Eltern sagten mir, daß sie in den Himmel gegangen sei. Das war
meine erste Berührung mit dem Tode. Selbstverständlich sage
ich nichts von alledem zu Marcos. Er aber sieht mich eigentümlich
an und sagt:
"Erzähl mir von deiner Freundin. Ich weiß schon, daß sie
gestorben ist. Sie ist zurückgegangen in das Haus vom lieben
Gott. Wir kommen alle von diesem Haus. Mama, du sprichst nie
mit mir von Gott!"
Ich bin sehr betroffen, weil er wieder einmal meine Gedan-
ken gelesen hat.
Ich frage ihn: "Wieso weißt du, daß sie gestorben ist?"
"Ich konnte es in deinen Gedanken lesen. Gott hat mir Ohren
gegeben, damit ich hören kann, was die Menschen denken. Dich
macht der Tod sehr traurig. Weißt du nicht, daß wir zu Gott
zurückkehren, wenn wir sterben?"
Marcos, 3 Jahre
Verbindung
(Meine Mutter erinnert sich)
Mama ist im Badezimmer und macht sich zum Ausgehen fertig.
Marcos kommt herein und schaut ihr zu.
Marcos: Mama, wohin gehst du? Laß mich mitgehen.
Mama: Ich gehe arbeiten.
Marcos (erbost): Wie einfach ist es doch zu lügen!
Mama sieht ihn überrascht an, weil sie tatsächlich mit einer
Freundin ausgehen will. Dann fragt sie: Wie kannst du wissen,
daß ich nicht zur Arbeit gehe?
Marcos: Ich weiß es. Ich dringe in deinen Verstand wie in ein
feindliches Lager ein und such mir raus, was ich wissen will.
Wenn du deshalb aber böse bist, tue ich es nicht wieder. Ist es
schlimm, so was zu tun?
Mama: Mein Kleiner, das ist nicht schlimm. Ich bin nur über-
rascht, daß du weißt, was ich denke.
Marcos, 3 Jahre
Die Engel und das Lamm
Papa: Marcos, ich will jetzt etwas lesen. Warum gehst du
nicht und spielst und läßt mich alleine?
Marcos: Ich geh nicht fort, du bist nämlich mit dir böse und
nicht mit mir.
Papa (seinen Empfindungen nachgehend): Ja, stimmt, ich bin
ein bißchen verärgert, aber das hat nichts mit dir zu tun.
Marcos: Sich ärgern ist nicht gut; es ist, wie wenn man die
Hölle in sich hat. Ich habe manchmal eine Hölle und einen
Himmel in mir, die sich streiten. Aber ich glaube nicht an
Himmel und Hölle, wovon die Großmutter spricht. Weißt du
was? Gestern abend war ich böse auf meinen Bruder und
wollte im Traum nicht fortfliegen. Da kamen die Engel und
luden mich ein, mit ihnen zu fliegen, um in der Nähe Gottes
zu sein. Sie nahmen mich an einen Ort mit, wo viele versam-
melt waren. Weißt du, was sie zu mir sagten? Sie sagten, ich
habe ein Lamm getötet. Ich antwortete: Nein, das stimmt
nicht! Aber sie bestanden darauf. Sie taten mir nichts, weil
Engel einem nie was tun; sie bestrafen dich nicht, sie sind
nur da. Dann kam Gott und berührte mich, aber ohne Hände,
weil er ja keine Hände und keinen Körper hat. Ich war ja
auch nicht in meinem Körper. Dann ging ich in meim Bett
zurück und beruhigte mich. Ich weiß, daß ich mein Brüder-
chen liebhaben und auf ihn aufpassen soll, aber manchmal
bin ich wütend... Ich glaube, daß mir die Engel helfen, wenn
sie mich in die Nähe Gottes führen. Die Wut ist wie die Hölle,
und der Himmel ist, wenn du Gott spürst.
Marcos, 3 Jahre

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