Sonntag, 7. Dezember 2008

Alleine ohne Gott



http://www.das-gibts-doch-nicht.info/seite5172.php

Alleine ohne Gott

(Aus den Notizen meines Vaters)
Ich gehe in der Abenddämmerung mit Flavio am Meer spazieren.
Papa: Was ist mit dir Flavio, ich glaube, du bist traurig?
Flavio: Ich fühle mich so allein!
Papa: Aber du bist nicht alleine, du bist bei mir und bei
Mama, bei deinem Bruder Marcos, und wir alle haben dich
sehr gern. Hast du Heimweh nach dem Haus in Buenos
Aires?
Flavio bleibt stehen und sieht mich mit Tränen in den Augen an,
dann versucht er schluchzend zu sprechen:
Du verstehst mich nicht. Niemand versteht mich! Ich bin
nicht der Menschen wegen alleine, ich fühle mich alleine
ohne Gott, das kann man nicht vergleichen. Zu dieser Stun-
de, wenn die Sonne fortgeht und die Sterne und der Mond
noch nicht scheinen, vermisse ich Gott.
Flavio wirkt noch kleiner vor der Größe des Meeres am einsamen
Strand. Ich versuche ihn zu trösten, indem ich ihn in die Arme
nehme, aber ich spüre, daß ich nur seinen Körper halte. Er
schmiegt sich in meine Arme, aber er ist weit weg. Schließlich
seufzt er tief, trocknet seine Tränen und kommt zurück. Dann
sagt er:
Papa, wir gehen nach Hause.
Flavio, 6 Jahre


Der Tod und das Nichts
Es gibt Worte, die nur hier auf diesem so dichten Planeten vor-
kommen, wie z.B. das Wort nichts und das Wort Tod.
Das Wort nichts kann es für sich allein eigentlich nicht
geben, es kann ein Nichts von etwas geben, aber nichts von
Nichts geht nicht, weil Gott immer da ist. Es kann nicht sein,
daß etwas von Gott verlorengeht oder einfach nicht mehr da ist.
Das Nichts ist unmöglich, und auch: nichts ist unmöglich!
Wenn du zu einem höheren geistigen Wesen, zu einem Engel
beispielsweise sagst, daß die Menschen an das Nichts glauben,
wird er das nicht verstehen; er würde denken, daß diese Men-
chen unwissend sind.
Einige glauben, daß mit dem Tode alles vorbei ist. Es stimmt,
daß beim Tod des Menschen der physische Körper aufhört, aber
nicht der ganze Mensch stirbt, die Seele geht zu Gott. Man kann
ein bißchen Angst bekommen, weil es ein großer Wechsel ist,
wenn man das Körperliche hinter sich läßt, aber es ist so, wie
wenn man einen Schuljahrgang absolviert hat, und dann lernt
man weiter in der nächsten Klasse oder in einer höheren Schule.
Der Tod ist nicht das Ende des Lebens, das Leben geht weiter
auf eine andere Art, wir sind immer ein Teil des Lebens, das von
Gott kommt und zu ihm zurückkehrt.
Flavio, 6 Jahre


Die Wahrheit
Flavio: Was machst du denn, Papa?
Papa (antwortet abwesend, er ist in Büchern vergraben, um eine
Konferenz vorzubereiten): Ich studiere, ich arbeite einen Vortrag
aus.
Flavio: Wozu brauchst du denn da so viele Bücher?
Papa: Damit ich nachlesen kann, was andere über das Thema
geschrieben haben, und dann stelle ich meine eigenen Gedanken vor.
Flavio: Das sind aber die Wahrheiten von anderen Menschen, du
mußt schauen, was in dir ist und dann deine Wahrheit sagen.
Papa: Das ist nicht so einfach. Ich habe meine eigene Wahr-
heit erst gefunden, nachdem ich ziemlich viel gelesen hatte.
Flavio: Klar, Gott läßt dich über die Bücher die Wahrheit wis-
sen. Ich brauche keine Bücher zu lesen. Ich habe eine direkte
Verbindung, ich spüre die Wahrheit.
Papa: Manchmal denke ich, daß meine Gedanken dich beein-
flussen könnten, und das möchte ich nicht.
Flavio: Nein, das ist gar nicht möglich. Die Menschen haben
Ideen, sie halten sich an Gedanken fest so wie ich mich an
diesem Kissen hier. (Er nimmt ein Sofakissen und preßt es
an sich.) Manchmal wechseln sie ihre Gedanken gegen ande-
re aus, die ihnen besser gefallen oder die sie interessanter
finden. Ich kann meine Gedanken nicht ändern, weil ich so
bin. Die Gedanken sind in meinem Grundstock, sie sind mein
Grundstock, sie sind ein Teil von mir. (Er legt das Kissen auf
den Boden und stellt sich darauf.) Siehst du, so! Deshalb
kannst du mich nicht beeinflussen, aber du kannst mir sehr
helfen, wenn du mir die Worte sagst, Worte, die das aus-
drücken, was ich schon weiß.
Papa: Wie ist es möglich, daß du schon mit Vorstellungen
geboren bist, für die ich Jahre gebraucht habe, um sie zu ent-
decken und zu verstehen?
Flavio: Die Liebe ist sehr nützlich! Ihr seid durch die Liebe
eurer Eltern, die ziemlich groß war, auf die Welt gekommen.
Aber eure Liebe, deine und Mamas, war noch größer, weil sie
nicht so persönlich war, deshalb konnte ich meine Verbin-
dung aufrechterhalten.
Flavio, 6 Jahre

Keine Kommentare: